Geschichtlicher Abriss des Ortes Ruthen


Am 4.April 1313 verlieh der Fürst Heinrich von Mecklenburg dem Ritter Bernhard von Plessen die Einkünfte von 51/3 Hufen in dem Dorf Ruthen gegen ein entsprechendes Kapital , um mit diesem Geld eine Vikarstelle an der Kirche zu Hohen Viecheln bei Bad Kleinen zu stiften (MUB 3601).

In dieser Urkunde wird das Dorf Ruthen zum ersten mal erwähnt.

Die Feldmark von Ruthen ist aber schon seit Urzeiten besiedelt..

Steinzeit: (etwa 3000 – 1600 vor unserer Zeitrechnung)
1906 wurde von Professor Robert Belz aus Schwerin ein Gräberfeld endeckt, das aus der Jungsteinzeit stammen soll.

Bronzezeit: (1600 – 600 vor unserer Zeitrechnung)
Im Februar 1874 entdeckte der Archivrat Friedrich Lisch aus Schwerin auf der Feldmark Ruthen eine wahre Fundgrube mit etwa 100 Fundstücken der verschiedensten Formen aus der Bronzezeit. Die Funde sprechen für eine Gießerwerkstatt, in der Fingerringen Armringe, Schmuckscheiben, Nadeln, Pinzetten, Sicheln, Tüllenbeile, Lanzenspitzen und Schwerter aus Bronze hergestellt wurden.

Vorrömische Eisenzeit: (600 – 1 vor unserer Zeitrechnung)
Aus dieser Epoche wurden zwei Urnen mit Leichenbrand gefunden.

Slawenzeit Um 600 unserer Zeitrechnung wanderten die Slawen in unser Gebiet ein. Sie siedelten auch auf der Ruthener Feldmark, rechts des Weges zum Passower See vor dem Wald, welches durch Keramikfunde belegt ist. Die Slawen gaben den Dorf den Namen [ Deutung: ruda (slawisch) = nasse rote Eisenerde(Raseneisenstein); rudno -–slaw. Flurname ] (Walter Kinzel – Flur- und Ortsnamen aus dem Kreis Lübz 1987).


Deutsche Zeit:(bis zum 30 jährigen Krieg)
Nach 1200 im Zuge der deutschen Ostexpansion werden auch deutsche Bauern in Ruthen sich angesiedelt haben.
Am 11. November 1324 (MUB 4570) verpfändet der Fürst Heinrich von Mecklenburg das Schloß Eldenburg (Lübz) mit Zuhörungen an die von Plessen, darunter auch das Dorf Ruthrn.
Am 18. Juli 1472 verkaufte der Herzog Heinrich von Mecklenburg dem Clawer Passoun to Parsoue (Passow) "19 rugghe heide und ackers, belegen tuschen deme velde to Parsoue und deme velde to Ruthen gehomet de heide to Ruthen".
Dieser Verkauf deutet darauf hin, dass das Bauerndorf nicht mehr vorhanden war. Es kommt auch in der Kaiserbede von 1496 nicht mehr vor. Dies bedeutet das Ruthen zeitweilig wüst war und nicht besiedelt.
In der Amtsbeschreibung von 1570 war Ruthen ein Bauhof , so zum Hause und Schloß Luptze (Lübz) gehört. Der Acker war nicht mehr nach Hufen berechnet, sondern in vier Schläge eingeteilt, auf denen Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Erbsen und Buchweizen angebaut wurde.
Aus der Zeit des 30-jährigen Krieges (!618 – 1648) liegen noch drei Amtsbeschreibungen vor.
1633 wurde Ruthen als Bauhof und Schäferei aufgeführt mit einer jährlichen Pacht von 1250 Reichstalern, 6 Schock Schafskäse (360 Stück) und ein Kalb. 1640 hatte das "Vorwerk Ruthen" schon unter dem Krieg gelitten. Die Gebäude waren baufällig, der Schafstall, ein anderes Gebäude und alle Zäune lagen danieder. Winterkorn (Weizen, Roggen) war nicht eingesäht. Sommerkorn, wie Hafer, Erbsen und Buchweizen hätten eingesäht werden können, wenn Zugvieh und Saatkorn vorhanden gewesen wäre.> Bei der Beschreibung von "Hof Ruthen" im Jahre 1645 lagen zwar der Schafstall und der Schweinestall noch danieder, aber das Wohnhaus des Verwalters und des Schäfers sowie das kleine Kornhaus, das Backhaus und eine Scheune waren wieder aufgebaut. Der Pachthof hatte auch wieder 4 Ochsen als Zugtiere und 400 Schafe, die in der Scheune untergebracht waren.


Nach dem 30 jährigen Krieg:
Nach einer Beschreibung von 1650 handelt es sich bei Hof Ruthen offenbar um ein niederdeutsches Hallenhaus von 16 Gebinde, dessen Giebel zum Teil schon gemauert waren. Der Autor der Beschreibung hielt es für wichtig, dass es in diesem Hause bereits Türpfosten und Schlösser gab. Das Dach war ebenfalls nicht nur mit Stroh dedeckt. Der vierte Teil trug bereits ein Ziegeldach.
Nach 1700 gibt Bertram Christian von Hoinkhusen einen Atlas für Mecklenburg heraus, in dem auch eine Beschreibung der einzelnen Ämter beigefügt war. Hier erfahren wir, dass die Bauern aus Werder nach Ruthen zu dienen haben. Auch die Bevölkerung war in den 30 Kriegsjahren sehr dezimiert, denn 1704, also 56 Jahre nach Beendigung des Krieges, hatte Ruthen erst wieder 7 Einwohner, dazu kann man noch 3 oder 4 Kinder unter 15 Jahren rechnen. Verwalter des "Mejerhofes Ruthen" war der ledige oder verwitwete Albrecht Hogeschilt. Er hatte ein Knecht, ein Mädchen und einen Jungen (jugendlicher Helfer). Reimar Hogeschilt, verheiratet, und sein Sohn waren Schäfer und Olrik Kock und seine Ehefrau Kuhhirten. Aber 48 Jahre später, 1752, hatte sich die Zahl der erwachsenen Einwohner, ab 15 Jahre, schon auf 22 erhöht. Die Einwohner wurden schon nach Freileute und Untertanen unterschieden. Die schulpflichtigen Kinder gingen nach Werder zur Schule.
1715 wurde der Hof Ruthen an die von Barnewitz verkauft. Mit diesem Verkauf wurde b estimmt, dass der Schulze und 11 Bauern aus Werder ab sofort je den halben Dienst hierher zu verrichten hätten. Das bedeutete jede Woche 1,5 Spanntage und einen Handtag. Über die Höhe der Dienste gab es von Anfang an Auseinandersetzungen.
1757 übernahm der Pensionarius Karutz den Hof als Pächter. Dieser beschwerte sich direkt b eim Herzog. In seinen Schreiben vom 17. Juni 1758 heißt es unter anderem : "...lasse ich Dienst ansagen, so kommen sie nicht nach odre, sondern nach eigenen Gefallen, und da ich beym herzoglichem Amte derhalbe Beschwerde geführt, diese auch bestellet, sie sollten die Dienste, so sie an mir schuldig, gebührend verrichten, so respectiren sie solchen Befehl nicht, sondern sind gar so keck, mich zu Kopfe gehen zu wollen."

1767 Auseinandersetzungen Werders mit dem Hof Ruthen.

Zu Johannis 1789 wurde der Hofdienst der Werder Bauern durch ein Dienstgeld abgelößt. Mit dessen Hilfe konnte sich der jeweilige Pächter die für die Bewirtschaftung des Hofes erforderlichen Dienstleistungen einkaufen. Außerdem ging man dazu über, die Domänen mit lebenden Inventar (Vieh) und toten Inventar (Geräte usw.) auszurüsten. Dadurch konnten die Pächter selbstständiger und intensiver wirtschaften.

Gustav Lierow (1813 – 1891) ab 1835 Pastor in Lohmen und Poet leistete seine damals üblichen zwei Hauslehrerjahre nach den Studiumabschluß auf dem Gut Ruthen ab. Pächter war Georg Wilhelm Gebhardi, der nicht nur ein Freund von Lierows Vater war, sondern auch ein Sohn des berühmten Göttinger Historikers Georg Friedrich Gebhardi war.

1893 Gutspächter Prick ist einer der 7 Geschäftsführer der Lübzer Zuckerfabrik


Ruthen wird aufgesiedelt

Grundlage für die Aufsiedlung von Gütern war das "Reichssiedlungsgesetz" vom 11.August 1919. In den Bundesstaaten sind Siedlungsunternehmen zu bilden, denen die Staatsdomänen nach Ablauf des Pachtvertrages zu höchstens dem Ertragswertes zum Kaufe anzubieten sind. Das Siedlungsunternehmen muß das Grundstück (Gut) innerhalb von 10 Jahren nach dem Kauf für Siedlungszwecke verwenden.
Im Jahre 1926 übernahm Herr Kratzenburg die Domäne Ruthen als Pächter. 1931 legte er 10 Hektar Spargel an, die aber erst nach 3 Jahren Erträge bringen. Dadurch kam er 1932 unter anderem in wirtschaftliche Schwierigkeiten und gab die Pachtung auf. Damit konnte Ruthen entsprechend des Reichssiedlungsgesetzes aufgesiedelt werden.
Noch im gleichem Jahr wurde Ruthen von der Mecklenburger Landgesellschaft übernommen. Die Feldmark wurde in 20 Bauernstellen verschiedener Größe aufgeteilt, die Siedlungswilligen angeboten wurden.
Nachdem die Siedlerstellen verteilt waren, mußten die neuen Besitzer für den Umbau der großen Scheunen und Stallungen einen Mann zur Hilfe stellen. Am 1. September 1933 sind die Bauern zugezogen. Jeder Bauer mußte, soweit es ihm möglich war eine Anzahlung leisten. Der Kaupreis betrug für eine 15 – 20 Hektar-Stelle etwa 32 000 Mark. Der Rest der Kaufsumme sollte in 99 Jahren amortisiert werden.

Das Vieh brachten die Bauern mit oder sie konnten es von der früheren Domäne zum Taxpreis erwerben. Ebenso konnten sie auch das tote Inventar, soweit sie es gebrauchen konnten, zum Taxpreis kaufen. Für die Anschaffung des Viehes und des Inventars konnte ein langfristiger Einrichtungskredit gewährt werden.

Im März 1938 wurde ein Friedhof für das Dorf angelegt, weil die Bürger, die Ruthen zu ihrer Heimat auserwählt hatten, in ihrem Heimatort beerdigt werden wollten.


Am 1. Januar 1966 wird Ruthen in Lübz eingemeindet.
Ruthen verliert damit seine Selbstständigkeit.


Flurnamen Ruthens

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